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Architektonische Sommerlektüre

Vom "Portugiesischen Haus" über italienische Ruinen bis zur Lübecker Altstadt: Diese sechs Bücher aus unserer Reihe Grundlagen empfehlen wir Ihnen fürs Reisegepäck und für laue Leseabende. 

 

Abbildung: Raúl Lino wählte die Zypresse zu seinem Zeichen, bezugnehmend auf ein Zitat des persischen Dichters Scheich Saïd: »Besitzt du im Überfluss, sei freigiebig wie der Dattelbaum. Wenn du nichts deinen Besitz nennst, dann sei ein Azad, ein freier Mann wie die Zypresse.«

 

1. Portugal  

Er gehört zu den interessantesten Persönlichkeiten der portugiesischen Baugeschichte: Raúl Lino da Silva (1879–1974) entwarf vor allem Wohnhäuser, für die er regionale Traditionen mit innovativen Strömungen aus West- und Mitteleuropa verband. Als junger Mann besuchte er die Kunstgewerbeschule in Hannover und blieb Zeit seines Lebens eng mit Deutschland verbunden. In unserem Buch Zwischen regionaler Moderne und portugiesischem Stil wird die Biografie dieses so vielseitig begabten wie umstrittenen Mannes nachgezeichnet. Ausführlich werden Linos wichtigste Schriften und das von ihm propagierte Ideal des »Portugiesischen Hauses« vorgestellt.

 

2. Spanien  

Die Diktatur des Generals Francisco Franco hinterließ in Spanien auch architektonisch tiefe Spuren. In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg standen die ländlichen Gebiete im Fokus des national-katholischen Regimes. Eine neue Generation von Architekten suchte damals nach einer abstrahierten ländlichen Architektur und einer organischen, mit der Landschaft verschmolzenen Stadtform. Das Buch Rural Utopia and Water Urbanism stellt die Strategie hinter der Gründung von 300 Dörfern ("Pueblos") vor und zeigt, welche Rolle dabei Dämme, Bewässerungskanäle und Elektrizitätswerke spielten.

  

3. Italien  

Ruinen gehören seit jeher zu europäischen Städten, sei es als Überreste alter Reiche oder als Folge von jüngeren Ereignissen wie Bränden oder der Stilllegung von Industrieanlagen. Wie umgehen mit ihnen? Diese Frage steht im Mittelpunkt des Buches Urban Ruins. Die Denkmalpflegerin Elisa Pilia untersucht darin den Umgang mit urbanen Ruinen am Beispiel des historischen Zentrums von Cagliari. In der Hafenstadt an der Südküste Sardiniens wurden während des Zweiten Weltkriegs viele Gebäude durch Luftangriffe der Alliierten zerstört. Ausgehend von ihrer Analyse zeigt Pilia Strategien zum Schutz und zur Neunutzung von Ruinen überall in Europa.

 

4. Finnland  

In seiner Heimat gilt er als "Meister des Betons": Pekka Pitkänen (1927–2018) war einer der bedeutendsten finnischen Architekten der Nachkriegszeit. Bekannt ist er vor allem für den Erweiterungsbau des finnischen Parlaments (1978) und die Heilig-Kreuz-Kapelle (1967) in Turku. Für Concrete Modernism hat der Turkuer Autor Mikko Laaksonen umfangreiche Archivrecherchen angestellt, Interviews geführt und sich in Pitkänens unveröffentlichte Memoiren vertieft. Seine Monografie – das erste Buch dieser Art auf Englisch – bietet einen einzigartigen Einblick in das Leben und Schaffen eines ungemein produktiven, aber erstaunlich wenig bekannten Architekten.

 

5. Deutschland  

Kaum ein Ereignis hat Lübeck in der jüngeren Geschichte so sehr geprägt wie die Luftangriffe im März 1942. Die Erzählung über den Zweiten Weltkrieg konzentriert sich deshalb meist auf die Altstadt, die inzwischen zum UNESCO-Welterbe gehört. Unbeachtet bleiben dabei die für Zwangsarbeiter und, nach Ende des Kriegs, für die Unterbringung der Vertriebenen genutzten Lager und der spätere Siedlungsbau außerhalb des Stadtkerns. 90.000 Vertriebene fanden in der Hansestadt schließlich ein neues Zuhause. Heimat auf Trümmern zeichnet anhand ausgewählter Dokumente sowie zahlreicher historischer und aktueller Bilder die Planungsgeschichte der Stadt nach.

 

6. Brasilien  

Posthume Ehre: Im vergangenen Jahr wurde Brasiliens bekannteste Architektin Lina Bo Bardi (1914–1992) für ihr Lebenswerk mit einem Goldenen Löwen der Architekturbiennale von Venedig ausgezeichnet. Die gebürtige Italienerin steht im Mittelpunkt von Richard Zemps Buch Bauen als freie Arbeit, in dem es um die brasilianische Architektur zwischen 1961 und 1982 geht. Wie die Grupo Arquitetura Nova, die ebenfalls Gegenstand von Zemps Untersuchung ist, war Bo Bardi bestrebt, die Trennung zwischen Entwurfsplanung und handwerklicher Umsetzung auf der Baustelle so weit wie möglich aufzuheben.  

 

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Zwischenstopp in: Toulouse

Christof Göbel, Mit-Herausgeber unseres Architekturführers über Toulouse, ist seit mehr als zwei Jahren zu Gast in der südwestfranzösischen Metropole. Was dem Stadtforscher dort besonders gut gefällt: Gewässer, Parks – und eine Raumstation.

 

Text: Christof Göbel
Foto: Die Garonne und das Hôpital de La Grave, © Gremi357

 

Toulouse ist die viertgrößte Stadt Frankreichs – und sehr charakterstark. Die engen Gassen im Zentrum zeugen von einer langen Geschichte, die bis in die gallo-­römische Zeit zurückreicht. Es ist außerdem Europas Rugby-Hauptstadt und der Ort mit dem Dialekt »le plus sexy de France«, wenigstens behaupten das manche Toulouser. Ich habe Toulouse dank ­eines Forschungsaufenthalts kennen­gelernt und finde es sehr lebenswert.

Wasser. Durch die Stadt verlaufen der Canal du Midi, der das Mittelmeer und den Atlantik verbindet, und die Garonne. Beide prägen Toulouse stark. Ich wohne im Umland, und wenn ich ins Zentrum fahre, zieht es mich oft ans Flussufer: Rund um den Place de la Daurade und den Place Saint-Pierre gibt es viele Cafés und Restaurants, bis spät abends geht es dort quirlig zu; ­Toulouse ist eine junge Stadt – in Frankreich haben nur Paris und Lyon mehr Studenten. Auf der anderen Seite der ­Garonne – einmal über die Saint-Pierre-Brücke – befindet sich ein Museum für zeitgenössische Kunst, in dem interessante Ausstellungen stattfinden: Les Abattoirs (76 Allées Charles de Fitte) besitzt auch einen guten Museumsbuchladen.

Erde. Ich bin seit 2019 zu Gast an der Uni­versität ­Toulouse–Jean Jaurès, Teil eines städtebaulichen Ensembles von Candilis-­Josic-Woods aus den Sechzigerjahren. Leider ist von deren architektonischer Idee nach diversen Umbauten wenig übriggeblieben. Gerne spaziere ich durch die nahe gelegenen Parks. Dort kann man Pigeonniers finden, wie man sie sonst eher außerhalb von Toulouse sieht: große ­Taubenschläge (oft zweistöckig auf ­einem Grundriss von 5 × 5 Metern und mit offenem Erdgeschoss), die je nach Region anders gestaltet sind. Teilweise hat man sie inzwischen zu Wohnungen umgebaut.

Luft. In Toulouse befindet sich ein großes Airbus-Werk, das man auch besuchen kann. Mit der Familie lässt sich die Beziehung der Stadt zur Luft- und Raumfahrt am besten in der Cité de l’espace (Avenue Jean Gonord) erleben, einem interaktiven und lehrreichen Themenpark. Ein Highlight dort sind zum Beispiel die vier Module der Mir-Station, die von 1986 bis 2001 im Weltraum unterwegs war.

 

CHRISTOF GÖBEL ist Mit-Herausgeber und Teil des Autorenteams (auf dem Foto der zweite von rechts) unseres Architekturführers zu Toulouse, der auf Deutsch und auf Französisch erschienen ist. Den aus Deutschland stammenden Architekten und Stadtplaner führte ein Forschungsaufenthalt nach Frankreich. Göbel ist Professor an der UAM in Mexiko-StadtFoto: Maison de l'Architecture Occitanie-Pyrenées  

Congratulations, Francis Kéré!

The architect and DOM author from Burkina Faso is this year's Pritzker Prize winner.

 

Photo: Astrid Eckert

 

On 15 March, Francis Kéré, a native of Burkina Faso, became the first African architect ever to receive the prestigious Pritzker Prize. Kéré was born in 1965 in Gando and has lived in Germany since 1985. His internationally active office Kéré Architecture is located in Berlin. He not only contributed to our Architectural Guide Sub-Saharan Africa, some of his great works are also represented in it, such as Christoph Schlingensief's Opera Village. His contribution to the English-language volume Theorising Architecture in Sub-Saharan Africa is entitled: "Building Commons. An Inventory of a Kampala Neighbourhood". We warmly congratulate Francis Kéré!

Wir unterstützen den Architektur-Nachwuchs

Zum wiederholten Mal beteiligt sich DOM publishers an Deutschland-Stipendien für Studenten der Hochschule ­Anhalt in Dessau.

  

Foto: © privat

 

Dabei handelt es sich um eine Förderung, die zur einen Hälfte vom Bund, zur anderen von privaten Geldgebern – zum Beispiel Stiftungen oder eben Unternehmen – übernommen wird. Die neuen DOM-Stipendiaten heißen Elsa Le und Oskar Schmid. Die monatliche Finanzspritze soll ihnen bei Anschaffungen fürs Studium helfen, etwa wenn es da­rum geht, Material für Architektur­modelle oder Software-Lizenzen zu kaufen.

Elsa Le stammt aus Kanada: Zur Welt kam sie 1993 in Frankreich, verbrachte die längste Zeit ihres bisherigen Lebens aber in ­Montréal. Ein einjähriger Auslandsaufenthalt hatte sie vor einigen Jahren an die TU ­München geführt, ehe sie für ihren Master im August 2020 nach Deutschland zurückkehrte – und damit leider mitten in der Corona-Pandemie. »Ich würde gerne noch mehr reisen, die Welt entdecken«, sagt Elsa. In welchem Bereich sie als Architektin arbeiten möchte, weiß sie noch nicht.

Dagegen hat Oskar Schmid, Jahrgang 1998, aufgewachsen in Unter­franken, eine ziemlich genaue Vorstellung von seinem Traumjob. Neben der Architektur – er studiert im siebten Semester und steht damit kurz vor dem Bachelor­abschluss – begeistert er sich sehr für Musik. Seit seiner Kindheit spielt er Geige und ist heute Teil des Akademischen Orchesters Leipzig. Gerne würde er seine beiden Leidenschaften verbinden. »Das Thema Akustik interessiert mich«, sagt Oskar – und denkt dabei an »Klang­räume«, seien es Konzerthallen oder Proberäume in Musikschulen

The fascinating story behind Moscow's Four Seasons Hotel

Myths surround this luxury accommodation and its peculiar story. For 4000 euros a night you can now stay right next to Red Square where the first Stalinist-style building once stood – it looked exactly the same.

 

Text: Damien Leaf
Foto: © depositphotos (skaliger)

 

On a booking platform, a German tourist praises the ‘great view of the Kremlin’ and an Italian extols the wellness area with its large pool. Judging by the reviews, the Four ­Seasons Moscow has satisfied customers. However, a one-night stay costs at least 800 euros and it can be 4,000 euros for the Premium Suite. The hotel with 180 rooms and suites is located between Red Square and the Bolshoi Theatre and is one of the largest and most exclusive in Russia’s capital – and it has an incredible history.

The latter began in the early 1930s when the Hotel Moskva was built on the same site – it was one of the first new hotel buildings in the Soviet Union. Architecturally, under Joseph Stalin, who had been sole ruler since 1927, the country was undergoing a shift from the avant-garde to neoclassical eclecticism. Part of the shell construction was already in place when the original constructivist plans for the building by Leonid ­Savelyev and Oswald Stapran were abandoned. ‘Stalin wanted a monumental, rather classical and richly decorated building,’ says architectural historian Dmitrij Chmelnizki. The task of adapting the design to the dictator’s taste was given to Alexey Shchusev. ‘He created what can be considered the first Stalinist-style building’: an eight-column, six-storey portico with an open terrace, generous arcaded loggias in the centre of the main façade, and numerous balconies. The corners were accentuated with turrets. Bruno Taut, who was also involved in the designs, later wrote in a letter that Shchusev had taken over his floor plans, but in a distorted form.

Alexey Shchusev, born in 1873, was a special case in that he was one of the very few who had managed to rise to the top of the architectural hierarchy under the tsars and then repeat this success under Soviet rule. His name is associated with a wide variety of styles. He designed churches and the Kazan railway station in Moscow, but also constructivist buildings. He is probably best known for the Lenin Mausoleum of 1924. ‘Under Stalin, Shchusev was one of the country’s most important architects. That was cynicism, he adapted,’ says ­Chmelnizki, who recently published a critical monograph, Alexey Shchusev. Architect of Stalin’s Empire Style, on the architect. There were many myths surrounding the Moskva, the interior of which was furnished with works by the Soviet Union's most respected artists. No wonder: ‘The secret service was involved and everything was top secret. It was a hotel for foreigners and cadres, no normal Muscovite could enter.’

To this day, the legend circulates that the façade was asymmetrical because Stalin put his signature between two different designs and no one dared to ask. ‘In truth, it was just a matter of statics.’ The hotel was expanded in the 1970s, but it came to an end in the turmoil of the post-communist period. In 2002 the building was demolished for obscure reasons and against an initiative of the then Minister of Culture. Ironically, it was rebuilt almost immediately afterwards – with an asymmetrical façade true to the original.

Architecture Articulated: Unser Programm

In unserer Online-Reihe Architecture Articulated sprechen Autoren über ihre Bücher und ihre Themen – und unsere Leser haben die Möglichkeit, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Eine Übersicht der anstehenden Termine.

 

 

 

Derzeit sind keine Veranstaltungen geplant. Über neue Termine informieren wir Sie auch in den sozialen Medien, folgen Sie uns auf TwitterFacebook oder Instagram

 

Über Architecture Articulated: Die Veranstaltungen haben eine Länge von ca. 90 Minuten und finden per Zoom statt. Eintrittskarten kosten je 15€ und sind zugleich ein Gutschein über diesen Betrag für unseren Webshop. Ein Ticket berechtigt zur Teilnahme an einer Online-Lesung an einem Computer, Sie können also auch zu zweit oder dritt vor dem Bildschirm sitzen. Damit Sie möglichst störungsfrei zuschauen können, empfehlen wir, das Programm Zoom vorher kostenlos herunterzuladen. Zu der Uhrzeit, zu der die Lesung beginnen soll, klicken Sie bitte auf den erhaltenen Link: Dann öffnet sich entweder Zoom (falls Sie das Programm heruntergeladen haben) oder ein Fenster in Ihrem Webbrowser. Um an der Sitzung teilzunehmen, müssen Sie weder eine funktionierende noch eine eingeschaltete Webcam besitzen; Fragen können auch per Mikrofon oder im Chat gestellt werden.