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Tag: Handbuch und Planungshilfe

Fünf Regeln für Signaletik in Gesundheitsbauten

Wie sich Nutzer in Krankenhäusern und anderen Gesundheitsbauten optimal zurechtfinden: Hier erklärt Kommunikationsdesignerin Pia Denker, Autorin unseres Handbuchs Signaletik in Gesundheitsbauten, die wichtigsten Regeln.

 

Von: Pia Denker, Protokoll: Anselm Weyer
 

1. Beschränke dich

Muss der Besucher schon auf der Website einer Klinik erfahren, wo er dort auf die Toilette gehen kann? Natürlich nicht. Was es braucht, sind die jeweils nötigen Infos – an der richtigen Stelle. Ein Leitsystem lotst bis zum Ziel, wobei die Auskünfte immer detaillierter werden: Ein erster Wegweiser führt in den richtigen Trakt, der nächste ins jeweilige Geschoss, der letzte in den gesuchten Raum. Und: Das Wichtigste, etwa die Notaufnahme, sollte auch optisch Priorität genießen. 

2. Sei verständlich – und konsequent

Statt »Klinik für Dermatologie« besser den Begriff »Hautklinik« verwenden – und Abkürzungen ganz vermeiden. Auch bei der Nummerierung von Etagen statt kryptischer Bezeichnungen (H für Hofgeschoss)  besser einfach durchnummerieren: -2, -1, EG, 1, 2 ... Für den Raumcode maximal drei Zahlen nutzen. Wichtig ist Konsequenz: Wer auf einem Plan am Eingang eine 1. Etage ankündigt, darf diese im Treppenhaus nicht plötzlich zum Zwischengeschoss werden lassen. 

3. Achte auf optimale Lesbarkeit

Schriftarten müssen so ausgewählt werden, dass sich die Buchstaben gut auseinanderhalten lassen. Auch jemand, der nur eingeschränkt sehen kann, muss problemlos etwa ein e von einer 8 unterscheiden können. Reinen Großbuchstaben ist eine gemischte Schreibweise vorzuziehen, weil dabei ein in­dividuelleres Wortbild entsteht. Die optimale Schriftgröße wiederum hängt vom Raum ab: In einem engen Flur dürfen auch die Buchstaben nicht überdimensioniert ausfallen. 

4. Sprich mehrere Sinne an

Gerade Menschen mit eingeschränkten körperlichen und kognitiven Fähigkeiten müssen sich in Gesundheitsbauten zurechtfinden können. Deshalb sollte man, so oft es geht, zwei oder mehr Sinne ansprechen. Auf Infotafeln lassen sich etwa ertastbare Großbuchstaben in erhabener Profilschrift anbringen – für kurzzeitig Erblindete. Oft braucht es Kompromisse. Schilder werden zum Beispiel am besten auf Augenhöhe gelesen, heißt: zwischen 1 und 1,6 Meter. 

5. Berücksichtige, was schon da ist

Zwar gilt in der Signaletik, dass man Farben sparsam einsetzen sollte. Gegen bunte oder mit Bildern gestaltete Wände in ja eher sterilen Kliniken spricht aber nichts. Nur sollte das Leitsystem unbedingt auf die Umgebung abgestimmt sein. Vorstellbar ist, dass man Farben und Illustrationen auch einsetzt, um Infos (über Etagen etc.) zu transportieren. Allerdings zeigen Studien, dass das nur im Zusammenspiel mit Zahlen oder Buchstaben funktioniert. 

 

PIA DENKER ist Kommunikationsdesignerin und Autorin des Handbuchs Signaletik in Gesundheitsbauten. Derzeit erarbeitet sie ein Leitsystem für ein Krankenhaus in Berlin.

Fünf Regeln für demenzsensible Krankenhausbauten

Jedes Jahr erkranken weltweit etwa 10 Millionen Menschen an Demenz. Wie können Architektur und Gestaltung von Krankenhäusern ihnen und ihren Angehörigen helfen? Das ist das Thema eines Handbuchs vom DOM publishers. Hier fünf grundlegende Regeln.

 

Text: Björn Rosen 
Click here the English version.

 

1. Gestalte für alle

Bei Demenzkranken geht das Kurzzeitgedächtnis schneller verloren als das Langzeitgedächtnis, deshalb glauben viele, man müsse für sie Räume gestalten, die an frühere Zeiten erinnern. Das ist schon allein deshalb eine problematische Idee, weil manche Leute mit 60, andere mit 90 an Demenz erkranken – auf welche Zeit will man da Bezug nehmen? Gelungen sind Architektur und Design für Demenzkranke gerade dann, wenn sie nicht sofort als solche erkennbar und damit auch stigmatisierend sind. Was es braucht, sind Räume, die für möglichst viele verschiedene Leute funktionieren, die ästhetisch ansprechend sind, Orientierung und Sicherheit ermöglichen. Davon können alle profitieren – Besucher ebenso wie andere Patienten.

 

2. Schaffe visuelle Anker

Krankenhäuser sind große, komplexe Gebäude, und in ihnen sieht es fast überall gleich aus. Schon kognitiv gesunden Menschen fällt da die Orientierung schwer, aber sie können in ihrem Kopf eine Art Landkarte entwerfen – Demenzkranke können das nicht. Sich vorzustellen, dass sie drei Mal um die Ecke biegen müssen, um zu ihrem Ziel zu gelangen, überfordert sie. Was hilft, ist, Orte, an denen sich die Patienten entscheiden müssen, in welche Richtung sie gehen, besonders zu gestalten – so dass sie sich von einem dieser Punkte zum nächsten hangeln können. Solch ein Referenzpunkt kann zum Beispiel eine Fensteröffnung sein, die den Blick auf einen baumbestandenen Hof freigibt. Oder eine Stelle, an der sich der Flur aufweitet und es eine Sitznische gibt.

 

3. Ermögliche Flexibilität

Natürlich braucht es in einem Krankenhaus Standardisierung, aber man muss auch Raum für individuelle Bedürfnisse schaffen. Und sei es nur, dass die Patienten ihr Bett anders stellen können, es zum Beispiel an die Wand schieben können – weil sie es so von zu Hause kennen, weil ihnen das Sicherheit und ein Wohlgefühl gibt. Dann schläft es sich auf einmal viel besser! Gut ist auch, Platz einzuplanen für Dinge, die von zu Hause mitgebracht wurden: etwa ein Bild, das man in seinem Sichtfeld an die Wand hängen kann. Apropos Platz: Sehr wichtig ist, Raum und Aufenthaltsqualität zu schaffen für die Angehörigen, die für Demenzkranke eine sehr große Rolle spielen, damit diese nicht den Eindruck haben, ständig im Weg zu sitzen.

 

4. Denke an Licht

In den erwähnten komplexen Strukturen von Krankenhäusern ist es schwierig, alle Zimmer und Flurabschnitte natürlich zu belichten. Aber je häufiger man dies möglich machen kann, desto besser. Tageslicht hilft bei der zeitlichen Orientierung und verbessert den Schlaf – auch Balkone sind deshalb ein wünschenswertes bauliches Element. Was Licht allgemein, also auch das künstliche, angeht, sollte man berücksichtigen: Im Alter verändert sich das Auge, es kann nicht mehr so viel Licht aufnehmen. Deshalb braucht es gerade für Demenzkranke eine ausreichend starke Beleuchtung. Licht kann ihnen darüber hinaus als intuitive Orientierungshilfe dienen, etwa um in der Nacht den Weg zur Toilette zu finden.

 

5. Biete dem Personal Übersicht

Demenzkranke zeigen oft „Wanderverhalten“ und „Weglauftendenzen“: Weil sie nicht wissen, wo sie sind, werden sie unruhig und laufen dann suchend umher. Für die Mitarbeiter im Krankenhaus ist das eine große Herausforderung. Wie reagieren? Man kann die Ausgänge bewusst verstecken, aber damit blockiert man unter Umständen Fluchtwege. Und Sensoren sind immer ein Eingriff in die Privatsphäre und Autonomie eines Menschen, vom Fixieren ans Bett ganz zu schweigen. Eine Lösung, die meist gut funktioniert: die Station so zu gestalten, dass das Pflegepersonal Patienten gut im Blick behalten und nebenher zum Beispiel Schreibtätigkeiten erledigen kann. Also einen Aufenthaltsbereich, in dem sich die Patienten wohlfühlen, an zentraler Stelle und neben dem Dienstzimmer schaffen

Architecture Articulated #3: Bauen für Kinder

Das Berliner Architekturbüro Baukind, mit drei Projekten vertreten in unserem Handbuch Krippen, Kitas und Kindergärten, ist spezialisiert auf Gebäude für Kinder. Die Mitgründerin und Geschäftsführerin Nathalie Dziobek-Bepler erzählt im Gespräch, wie man hohe Dezibel-Werte architektonisch berücksichtigt, warum Kinder Podeste lieben – und wie sich mit Kitas die gesellschaftliche Zukunft gestalten lässt. Das Gespräch ist auch abrufbar auf soundcloud.com.

 

Bedienungsanleitung: Sieben Regeln für den Kita-Bau

Höhlen und Holz, aber bitte keine Absperrungen! In welchen Räumen sich Kinder wohlfühlen, erklärt die Herausgeberin unseres neuen Handbuchs Krippen, Kitas und Kindergärten.

 

Text: Natascha Meuser
Foto: Kindergarten Creche Ropponmatsu,  Fukuoka/Japan, © Daisuke Shima

 

1. Lerne von Erziehern und Pädagogen

Architekten sind keine Pädagogen, und nicht alle von ihnen haben Kinder. Gespräche mit den Erziehern, die den Tagesablauf in einer Kita und die Bedürfnisse der Kleinen genauestens kennen, und mit anderen Experten sind unverzichtbar.

2. Schaffe Rückzugsmöglichkeiten

Kinder wollen auch mal allein sein. Sie lieben Höhlen und Nischen. Und wenn sie sich zusammentun, dann meist in kleinen Gruppen. Deshalb gilt: Größere Räume sollten in kleinere Bereiche unterteilt werden können, dafür genügt oft schon ein aufgehängtes Tuch.

3. Überbehüte die Kleinen nicht

Kinder können nur aus Erfahrung lernen. Wer sie zu sehr beschützt, nimmt ihnen die Möglichkeit, geistig zu wachsen. Auch in der Kita braucht es nicht überall Absperrgitter oder besonders weiche Materialien – in der Wohnung daheim gibt es die schließlich auch nicht.

4. Integriere den Eingangsbereich

Er wird oft nur zwei Mal am Tag genutzt: Im Eingangsbereich einer Kita kommen die Kinder an, dort hängen sie ihre Jacken auf – doch dann bleibt der Raum leer, ­    bis die Kleinen wieder abgeholt werden. Um den Platz optimal zu nutzen, kann   man dort einen Ort zum Spielen kreieren.

5. Arbeite mit natürlichen Materialien

An Nachhaltigkeit und guten Geschmack kann man schon die Allerkleinsten heranführen. Die Zukunft gehört Kitas, die aus natürlichen Materialien gebaut und mit diesen gestaltet sind. Wunderschöne Gebäude aus Holz – in Europa auf dem Land und in Japan – machen es vor.

6. Biete den Kindern ­unterschiedliche Ebenen

Wer ist in seiner Kindheit nicht gern auf Bäume geklettert oder hat gleich ein Bretterhäuschen zwischen den Ästen errichtet? Eben. Räume, die unterschiedliche Ebenen – zum Beispiel Hochbetten und Podeste – bieten, werden von den Kleinen sehr gut angenommen.

7. Setze Farben und kindliche Motive sparsam ein

Dass sich Kinder Räume wünschen, die so bunt wie möglich sind, ist ein Mythos. Auch Micky Maus an allen Wänden und Märchenfiguren auf jeder Scheibe haben manchmal mehr mit den Wünschen der Erwachsenen zu tun als mit denen der Kleinen. Weniger ist mehr.

 

NATASCHA MEUSER berät als Architektin den größten Betreiber von Kindergärten in Deutschland. Gerade veröffentlichte sie Krippen, Kitas und Kindergärten. Handbuch und Planungshilfe bei DOM publishers.

Der Text stammt aus dem DOM magazine No. 1, Februar 2020. Unser Magazin erscheint vier Mal jährlich – zwei Mal auf Deutsch und zwei Mal auf Englisch. Das aktuelle Exemplar bekommen Sie mit Ihrer Bestellung in unserem Webshop.