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Tag: Deutsch

Fünf Regeln für Signaletik in Gesundheitsbauten

Wie sich Nutzer in Krankenhäusern und anderen Gesundheitsbauten optimal zurechtfinden: Hier erklärt Kommunikationsdesignerin Pia Denker, Autorin unseres Handbuchs Signaletik in Gesundheitsbauten, die wichtigsten Regeln.

 

Von: Pia Denker, Protokoll: Anselm Weyer
 

1. Beschränke dich

Muss der Besucher schon auf der Website einer Klinik erfahren, wo er dort auf die Toilette gehen kann? Natürlich nicht. Was es braucht, sind die jeweils nötigen Infos – an der richtigen Stelle. Ein Leitsystem lotst bis zum Ziel, wobei die Auskünfte immer detaillierter werden: Ein erster Wegweiser führt in den richtigen Trakt, der nächste ins jeweilige Geschoss, der letzte in den gesuchten Raum. Und: Das Wichtigste, etwa die Notaufnahme, sollte auch optisch Priorität genießen. 

2. Sei verständlich – und konsequent

Statt »Klinik für Dermatologie« besser den Begriff »Hautklinik« verwenden – und Abkürzungen ganz vermeiden. Auch bei der Nummerierung von Etagen statt kryptischer Bezeichnungen (H für Hofgeschoss)  besser einfach durchnummerieren: -2, -1, EG, 1, 2 ... Für den Raumcode maximal drei Zahlen nutzen. Wichtig ist Konsequenz: Wer auf einem Plan am Eingang eine 1. Etage ankündigt, darf diese im Treppenhaus nicht plötzlich zum Zwischengeschoss werden lassen. 

3. Achte auf optimale Lesbarkeit

Schriftarten müssen so ausgewählt werden, dass sich die Buchstaben gut auseinanderhalten lassen. Auch jemand, der nur eingeschränkt sehen kann, muss problemlos etwa ein e von einer 8 unterscheiden können. Reinen Großbuchstaben ist eine gemischte Schreibweise vorzuziehen, weil dabei ein in­dividuelleres Wortbild entsteht. Die optimale Schriftgröße wiederum hängt vom Raum ab: In einem engen Flur dürfen auch die Buchstaben nicht überdimensioniert ausfallen. 

4. Sprich mehrere Sinne an

Gerade Menschen mit eingeschränkten körperlichen und kognitiven Fähigkeiten müssen sich in Gesundheitsbauten zurechtfinden können. Deshalb sollte man, so oft es geht, zwei oder mehr Sinne ansprechen. Auf Infotafeln lassen sich etwa ertastbare Großbuchstaben in erhabener Profilschrift anbringen – für kurzzeitig Erblindete. Oft braucht es Kompromisse. Schilder werden zum Beispiel am besten auf Augenhöhe gelesen, heißt: zwischen 1 und 1,6 Meter. 

5. Berücksichtige, was schon da ist

Zwar gilt in der Signaletik, dass man Farben sparsam einsetzen sollte. Gegen bunte oder mit Bildern gestaltete Wände in ja eher sterilen Kliniken spricht aber nichts. Nur sollte das Leitsystem unbedingt auf die Umgebung abgestimmt sein. Vorstellbar ist, dass man Farben und Illustrationen auch einsetzt, um Infos (über Etagen etc.) zu transportieren. Allerdings zeigen Studien, dass das nur im Zusammenspiel mit Zahlen oder Buchstaben funktioniert. 

 

PIA DENKER ist Kommunikationsdesignerin und Autorin des Handbuchs Signaletik in Gesundheitsbauten. Derzeit erarbeitet sie ein Leitsystem für ein Krankenhaus in Berlin.

Fünf Regeln für demenzsensible Krankenhausbauten

Jedes Jahr erkranken weltweit etwa 10 Millionen Menschen an Demenz. Wie können Architektur und Gestaltung von Krankenhäusern ihnen und ihren Angehörigen helfen? Das ist das Thema eines Handbuchs vom DOM publishers. Hier fünf grundlegende Regeln.

 

Text: Björn Rosen 
Click here the English version.

 

1. Gestalte für alle

Bei Demenzkranken geht das Kurzzeitgedächtnis schneller verloren als das Langzeitgedächtnis, deshalb glauben viele, man müsse für sie Räume gestalten, die an frühere Zeiten erinnern. Das ist schon allein deshalb eine problematische Idee, weil manche Leute mit 60, andere mit 90 an Demenz erkranken – auf welche Zeit will man da Bezug nehmen? Gelungen sind Architektur und Design für Demenzkranke gerade dann, wenn sie nicht sofort als solche erkennbar und damit auch stigmatisierend sind. Was es braucht, sind Räume, die für möglichst viele verschiedene Leute funktionieren, die ästhetisch ansprechend sind, Orientierung und Sicherheit ermöglichen. Davon können alle profitieren – Besucher ebenso wie andere Patienten.

 

2. Schaffe visuelle Anker

Krankenhäuser sind große, komplexe Gebäude, und in ihnen sieht es fast überall gleich aus. Schon kognitiv gesunden Menschen fällt da die Orientierung schwer, aber sie können in ihrem Kopf eine Art Landkarte entwerfen – Demenzkranke können das nicht. Sich vorzustellen, dass sie drei Mal um die Ecke biegen müssen, um zu ihrem Ziel zu gelangen, überfordert sie. Was hilft, ist, Orte, an denen sich die Patienten entscheiden müssen, in welche Richtung sie gehen, besonders zu gestalten – so dass sie sich von einem dieser Punkte zum nächsten hangeln können. Solch ein Referenzpunkt kann zum Beispiel eine Fensteröffnung sein, die den Blick auf einen baumbestandenen Hof freigibt. Oder eine Stelle, an der sich der Flur aufweitet und es eine Sitznische gibt.

 

3. Ermögliche Flexibilität

Natürlich braucht es in einem Krankenhaus Standardisierung, aber man muss auch Raum für individuelle Bedürfnisse schaffen. Und sei es nur, dass die Patienten ihr Bett anders stellen können, es zum Beispiel an die Wand schieben können – weil sie es so von zu Hause kennen, weil ihnen das Sicherheit und ein Wohlgefühl gibt. Dann schläft es sich auf einmal viel besser! Gut ist auch, Platz einzuplanen für Dinge, die von zu Hause mitgebracht wurden: etwa ein Bild, das man in seinem Sichtfeld an die Wand hängen kann. Apropos Platz: Sehr wichtig ist, Raum und Aufenthaltsqualität zu schaffen für die Angehörigen, die für Demenzkranke eine sehr große Rolle spielen, damit diese nicht den Eindruck haben, ständig im Weg zu sitzen.

 

4. Denke an Licht

In den erwähnten komplexen Strukturen von Krankenhäusern ist es schwierig, alle Zimmer und Flurabschnitte natürlich zu belichten. Aber je häufiger man dies möglich machen kann, desto besser. Tageslicht hilft bei der zeitlichen Orientierung und verbessert den Schlaf – auch Balkone sind deshalb ein wünschenswertes bauliches Element. Was Licht allgemein, also auch das künstliche, angeht, sollte man berücksichtigen: Im Alter verändert sich das Auge, es kann nicht mehr so viel Licht aufnehmen. Deshalb braucht es gerade für Demenzkranke eine ausreichend starke Beleuchtung. Licht kann ihnen darüber hinaus als intuitive Orientierungshilfe dienen, etwa um in der Nacht den Weg zur Toilette zu finden.

 

5. Biete dem Personal Übersicht

Demenzkranke zeigen oft „Wanderverhalten“ und „Weglauftendenzen“: Weil sie nicht wissen, wo sie sind, werden sie unruhig und laufen dann suchend umher. Für die Mitarbeiter im Krankenhaus ist das eine große Herausforderung. Wie reagieren? Man kann die Ausgänge bewusst verstecken, aber damit blockiert man unter Umständen Fluchtwege. Und Sensoren sind immer ein Eingriff in die Privatsphäre und Autonomie eines Menschen, vom Fixieren ans Bett ganz zu schweigen. Eine Lösung, die meist gut funktioniert: die Station so zu gestalten, dass das Pflegepersonal Patienten gut im Blick behalten und nebenher zum Beispiel Schreibtätigkeiten erledigen kann. Also einen Aufenthaltsbereich, in dem sich die Patienten wohlfühlen, an zentraler Stelle und neben dem Dienstzimmer schaffen

Architecture Articulated #3: Bauen für Kinder

Das Berliner Architekturbüro Baukind, mit drei Projekten vertreten in unserem Handbuch Krippen, Kitas und Kindergärten, ist spezialisiert auf Gebäude für Kinder. Die Mitgründerin und Geschäftsführerin Nathalie Dziobek-Bepler erzählt im Gespräch, wie man hohe Dezibel-Werte architektonisch berücksichtigt, warum Kinder Podeste lieben – und wie sich mit Kitas die gesellschaftliche Zukunft gestalten lässt. Das Gespräch ist auch abrufbar auf soundcloud.com.

 

Ein Architektenleben – drei Bücher

Über Jahre näherten sich Jörn Düwel und Niels Gutschow (Bild 1) immer mehr dem schillernden Leben des Architekten Rudolf Wolters (1903–1983). Beginnend 2015 mit der kommentierten Neuausgabe von Spezialist in Sibirien. »Dieses Buch veröffentlichte er mit 28 Jahren (Bild 2), es zeigt, wie weltoffen er da noch war«, sagt Architekturhistoriker Düwel. Aus dem interessierten Beobachter der jungen UdSSR wurde später die rechte Hand von Albert Speer. Rudolf Wolters’ Rolle in der NS-Zeit beleuchtete ein zweites Buch. Den Abschluss bildet nun eine Untersuchung des bisher kaum bekannten Wolters der Nachkriegszeit (Bild 3). »Damals erfand er sich als Architekt mit eigenem Büro neu – ohne sich gedanklich vom NS zu lösen.« Dem Autoren-Duo ging es vor allem um sein Lavieren zwischen alten Standpunkten und Zugeständnissen an die Moderne, wie hier beim Kunsthaus Conzen in Düsseldorf (Bild 4).

Das blaue Leuchten

Sieben Jahre dokumentierte der Fotograf Bernhard Ludewig deutsche Atomtechnik: in Deutschland selbst, aber auch im Ausland. Hier erklärt der DOM publishers-Autor vier seiner eindrucksvollsten Bilder.

 

Text & Fotos: Bernhard Ludewig
Click here for the English version.

 

HYPNOTISCH. Im Triga-Forschungsreaktor Mainz wird für wissenschaftliche Zwecke ein Puls ausgelöst: eine unkontrollierte Kettenreaktion, die sich selbst stoppt. Das Becken ist mit Wasser gefüllt, das die entstehenden Neutronen abbremst und zur Kühlung dient. Mehrere Rohrpostanlagen, die man im Zentrum des Bilds sieht, führen hinab zum Reaktorkern, um dort Proben bestrahlen zu können. Nach oben ist das Becken offen, meine Kamera konnte ich knapp über der Wasseroberfläche platzieren. Wenn unten geladene Teilchen durch das Wasser flitzen, entsteht ein Lichteffekt: das hypnotische blaue Leuchten. Es verzaubert auch mich.

 

 

SURREAL. Zwischen São Paulo und Rio befindet sich die letzte deutsche AKW-Baustelle. Seit den Achtzigerjahren wird hier im brasilianischen Angra gebaut, doch durch Finanzierungsprobleme kommt es immer wieder zu Verzögerungen. Im Jahr 2010 ging der erste deutsche Block ans Netz. Seither wird ein zweiter errichtet, dessen Technik seit 1984 eingelagert ist und wartet. Die Lage an der Atlantikküste ist traumhaft. Der schon fertige Reaktor ist weiß lackiert, seine Nebengebäude wirken wie ein pastellfarbenes Art-déco-Ensemble und sind von Palmen umstanden. Abends spiegelt sich der tropische Sonnenuntergang in der Kuppel.

 

FUNKELND. Hier erhaschen wir einen seltenen Blick in das Flutbecken des Kernkraftwerks Emsland unweit der niederländischen Grenze. Im Betrieb ist es mit dicken Betonriegeln bedeckt. Doch einmal im Jahr muss der Reaktor geöffnet werden, um verbrauchte Brennelemente austauschen zu können. Dazu wird zuerst der Beton entfernt. Für kurze Zeit ist nun der funkelnde Edelstahl zu sehen. Zwölf Meter unter uns befindet sich der schwere Reaktordeckel, der gleich mit dem Kran abgehoben werden soll. Anschließend wird das Becken mit Wasser geflutet, um die gefährliche Strahlung der Brennelemente abzuschirmen (siehe nächstes Bild ). 

 

GEÖFFNET: Auch das AKW Gösgen in der Schweiz ist ein deutsches Modell, hier beim jährlichen Austausch der Brennelemente. Das Bild zeigt das geflutete Becken mit dem offenen Reaktor. Der von links oben hin­abragende Greifarm holt die Brennelemente aus 16 Meter Tiefe und fährt sie ins benachbarte Abklingbecken. Einige sind abgebrannt und werden dort fünf Jahre gekühlt, bis sie in einem Castor-Behälter trocken gelagert werden können. Das ist der berüchtigte Atommüll, für den ein Endlager gesucht wird. Die anderen Elemente werden, zusammen mit einigen frischen, in neuer Anordnung wieder in den Reaktor gesteckt.

 

 

Jochen Schmidt über Plattenbauten und Reisen gen Osten

Der Berliner Schriftsteller ("Schneckenmühle", "Ein Auftrag für Otto Kwant") spricht in unserem Podcast über Diktatoren als Baumeister, den Begriff "Platte" und die Architekturführer von DOM publishers. Das Gespräch ist auch abrufbar auf soundcloud.com. 

 

Unsere Mitarbeiter: Kyung Hun Oh, Übersetzer

Der 31-jährige überträgt bei DOM publishers Texte ins Englische. Die deutsche Sprache, sagt Oh, könne ein "ein großer Kreis" sein. Architekturkritikern empfiehlt er, das Wort "vermitteln" sparsamer zu verwenden.

 

Text: Björn Rosen
Foto: © DOM publishers

 

Gute Übersetzer erkennt man vermutlich an ihren Fragen. Jene, die Kyung Hun Oh manchmal seinen Kollegen stellt, lösen Verblüffung oder sogar längere Diskussionen aus. Gibt es einen Unterschied zwischen den Worten „Konstruktionsart“ und „Bauweise“? Oder: Wie vernichtend ist die Formulierung „geistige Kurzatmigkeit“ eines Architekturkritikers gemeint? Selbst für die deutschen Muttersprachler im Berliner Verlagshaus ist das schwer zu beantworten. Die Fragen zeigen die immense Herausforderung von Ohs Arbeit – und zugleich den hohen Anspruch und die Präzision, mit denen er sich dieser nähert. 

Kyung Hun Oh übersetzt bei DOM publishers seit zwei Jahren Manuskripte vom Deutschen ins Englische. Immer geht es um Architektur, doch manche Texte sind sehr technisch, andere sehr theoretisch. Zehn Bücher hat Oh bisher für den Verlag übersetzt, darunter schon drei Mal das Deutsche Architektur Jahrbuch und zuletzt Radikal normal, eine Sammlung von Aufsätzen des Architekten Vittorio Magnago Lampugnani.

Wenn er spricht, hört man Ohs unverkennbar britischen Akzent. Aufgewachsen ist der Sohn koreanischer Eltern im Großraum London, er hat aber auch schon in den USA und Spanien gelebt. Das erste Mal mit der deutschen Sprache in Kontakt kam er, als er als Teenager einige Jahre in Frankfurt am Main verbrachte: An der internationalen Schule, die er dort besuchte, war Deutsch Pflichtfach. Während seines Studiums der englischen Literatur in Cambridge las er später auch deutsche Lyrik und Theaterstücke. 

Seit viereinhalb Jahren lebt Kyung Hun Oh nun in Berlin, wo er zunächst für eine Übersetzungsagentur arbeitete. „Englisch ist relativ geradlinig, man geht in eine Richtung, Deutsch kann ein großer Kreis sein“, sagt er. Seinem sezierenden Blick entgehen auch die allzu populären Worte in der deutschen Architektursprache nicht: „Aufenthaltsqualität“, „Rückzugsbereich“, „vermitteln“, um nur drei Beispiele zu nennen. „Es gab sogar mal ein Architekturbüro, das über den Zaun um ein Gebäude schrieb, dieser vermittle zwischen dem Außenbereich und dem Privaten“, sagt Oh. „Ich habe das Gefühl, einige Autoren werden von ihrem Wunsch abgelenkt, sehr schön zu schreiben. Manchmal genügt es, zu sagen, es gibt vier Wände und ein Dach, das ist völlig okay.“ Als Beispiel dafür, wie man auf gelungene Weise über Architektur schreibt, nennt er den Guardian-Kritiker Oliver Wainwright, Jane Jacob und Richard Sennett.

Übrigens: Kyung Hun Oh ist mitverantwortlich für die englische Ausgabe des DOM magazine. Und auch diesen Text, den Sie nun zu Ende gelesen haben, hat er ins Englische übersetzt.

Rudolf Hamburger: ein Architektenleben in Bildern

Poelzig-Schüler, Exilant, Spion: Unser neues Buch Architekt im Widerstand. Rudolf Hamburger im Netzwerk der Geheimdienste rekonstruiert das filmreife Leben des deutschen Architekten (1903–1980). Hier zeigen wir sechs Fotografien aus dem Nachlass der Familie Hamburger.

 

Foto: Victoria Nurses' Home Shanghai, Rudolf Hamburger (1933), © Nachlass R. Hamburger

 

Auf dem ersten Bild sieht man den jungen Rudolf Hamburger in der zweiten Hälfte der Zwanzigerjahre. Der gebürtige Schlesier lebte damals in Berlin, wo er an der Technischen Hochschule bei Hans Poelzig studierte. In Dresden, wo er zuvor studiert hatte, traf er Richard Paulick, der ein guter Freund wurde.

 

Auf nach China! Im Jahr 1930 verließ Rudolf Hamburger das von der Weltwirtschaftskrise gebeutelte Deutschland. Er heuerte als Architekt beim "Shanghai Municipal Council" an, der Verwaltung des International Settlement. Die chinesische Metropole erlebte damals einen Bauboom. Hamburger schuf dort einige seiner wichtigsten Bauten – und wurde zu seinem Wegbereiter moderner Architektur in China. Sein Victoria Nurses' Home, ein Wohnheim für etwa 100 Schwestern, gehörte einst zum britischen Country Hospital und ist heute Bettenhaus des Huadong Hospital.

 

Schicksalhafte Verbindung: Ende der Zwanzigerjahre hatte Hamburger Ursula Kuczynski geheiratet, hier ein Foto aus glücklichen Zeiten. Beide stammten aus jüdisch-bürgerlichen Familien. Doch während Hamburger konservativ geprägt war, neigte seine Frau schon in frühen Jahren linken Ideen zu. In Shanghai ließ sie sich von Meisterspion Richard Sorge für die GRU, den Nachrichtendienst der sowjetischen Armee, anwerben. Ihre Missionen verschlugen sie bald in die Mandschurei, in die Schweiz, nach Polen; manchen gilt sie als "Stalins beste Spionin". Die Ehe mit Hamburger zerbrach, doch bald würde auch der Architekt selbst für die GRU arbeiten. 

 

In Diensten der Sowjets: Ende der 1930er Jahre hatte Rudolf Hamburger – unter dem Eindruck der weltpolitischen Lage – selbst bei der GRU angeheuert. In der Zwischenzeit lebte er wieder in Europa. Im Frühjahr 1939 entsandte ihn der Geheimdienst nach China, das nicht nur von den Japanern angegriffen worden war, sondern wo auch Kommunisten gegen Nationalisten kämpften. Hamburger reiste zunächst nach Singapur und von dort über Land bis nach Shanghai. Sein Aquarell einer Landschaft mit Tempel nahe Lampang, Siam, entstand im Mai 1939.

 

Zwischen allen Fronten: Die Spionagetätigkeit für die GRU führte Rudolf Hamburger Anfang der Vierzigerjahre nach Teheran. 1942 nimmt er dort eine Arbeit als Architekt im Industrieministerium auf. Er zieht die Aufmerksamkeit von Amerikanern und Briten auf sich, wird inhaftiert. Als er schließlich nach Moskau ausreisen kann, wirkt das wie eine Befreiung. Doch die Sowjets verdächtigen ihn nun, ein Doppelspion zu sein. Hamburger wird die nächsten Jahre in Haft, im Lager und in der Verbannung verbringen. Erst 1955 darf er wieder nach Deutschland – in die DDR. Das Foto zeigt ihn nach seiner Rückkehr in der Stalinallee. Die Dachterrasse gehört zur Wohnung seines alten Freundes Richard Paulick, nun ein wichtiger Architekt im kommunistischen Osten Deutschlands und selbst an den Entwürfen für die Stalinallee beteiligt.

 

Als Architekt wirkt Rudolf Hamburger in der DDR vor allem beim Aufbau der "zweiten sozialistischen Stadt" Hoyerswerda: Dort entstehen in Großblock- und Plattenbauweise Wohnungen für Arbeiter der Braunkohleindustrie. Hier sieht man ihn 1960 vor einem Plan der neuen Stadt. Die Schriftstellerin Brigitte Reimann lässt sich von dem Architekten für ihren Roman "Franziska Linkerhand" inspirieren. Und auch Hamburgers Ex-Frau Ursula – inzwischen als Schriftstellerin Ruth Werner bekannt – veröffentlicht 1977 unter dem Titel "Sonjas Rapport" einen autobiografischen Roman – in der DDR ein Bestseller. Hamburger ist unglücklich über das Buch, das an alte Wunden rührt. Drei Jahre später stirbt er. Erst 1990, im Zuge von Glasnost und Perestroika, wird man ihn in Moskau rehabilitieren.

DAM Preis für Architektur in Deutschland 2021

Nun steht sie fest: die Shortlist für den DAM Preis 2021. Das Deutsche Architekturmuseum (DAM) in Frankfurt am Main vergibt diese Auszeichnung seit 2007 jährlich. DOM publishers ist seit längerer Zeit Partner – auf allen Etappen des Wegs. Es beginnt im Herbst mit dem Architekturführer Deutschland von Christina Gräwe, Peter Schmal und Yorck Förster (Bild 1), dessen Ausgabe für 2021 in diesen Tagen vorbereitet wird. Das Buch versammelt stets an die 100 Bauten zwischen Flensburg und Berchtesgaden und entspricht weitgehend der Longlist des DAM Preises für Architektur in Deutschland; die drei Autoren sind Teil der Jury. Traditionell wird der Architekturführer auf einer Veranstaltung bei Satellit – Architektur Galerie Berlin(Bild 2) präsentiert. Dann wird noch mal gesiebt, die besten Gebäude kommen auf die Shortlist und werden Anfang des neuen Jahres im Deutschen Architektur Jahrbuch (Bild 3) vorgestellt sowie in einer Ausstellung im DAM (Bild 4). Dort wird auch der Gewinner bekannt gegeben. 2020 erhielt die James-Simon-Galerie in Berlin den Preis. Und 2021?

Prahlen mit Zahlen (I): das Berliner Kulturforum

Das Areal mit Bibliotheken, Museen und Veranstaltungsorten in unmittelbarer Nachbarschaft zum Potsdamer Platz ist seit Jahrzehnten Gegenstand städtebaulicher Diskussionen. Nun soll dort ein neues großes Museum entstehen. Ex-Senats­baudirektor Hans Stimmann hat deshalb eine aktualisierte Neuauflage seines Standardwerks zum Thema vorgelegt. Hier interessante Fakten, mit denen Sie in jeder Unterhaltung glänzen.

 

2,5 KILOMETER lang ist die Förderanlage im Magazin der Staatsbibliothek von Hans Scharoun.

120 METER breit sollte die Nord-Süd-Achse sein, die Hitlers Chefarchitekt Albert Speer für die »Reichshauptstadt Germania« plante. Den gigantomanischen Plänen der Nationalsozialisten fiel ein Großteil der Gebäude im bürgerlichen Tiergartenviertel zum Opfer, wo sich nun das Kulturforum befindet: Besitzer wurden enteignet, Häuser abgerissen. Der Krieg brachte weitere Schäden. Ende der Fünfziger­jahre setzten sich Hermann Mattern und Hans Scharoun mit ihrer Idee durch, das Areal im Sinne einer unstädtischen Stadtlandschaft neu zu gestalten.

1260 TONNEN wiegt das Dach der Neuen Nationalgalerie von ­Ludwig Mies van der Rohe, die zurzeit saniert wird.

450.000.000 EURO soll das neue »Museum des 20. Jahrhunderts« von Herzog & de Meuron laut Kulturstaats­ministerin Monika Grütters kosten.

 

Der Text stammt aus dem DOM magazine No. 1. Unser Magazin erscheint vier Mal jährlich – zwei Mal auf Deutsch und zwei Mal auf Englisch. Das aktuelle Exemplar bekommen Sie mit Ihrer Bestellung in unserem Webshop.